Freitag, 18. Oktober 2024

Contenance bitte!

Über Pisa werden wir noch erzählen, aber erst mal muss ich etwas loswerden. Am 28. November veranstaltet der ADFC eine Tagung in Bonn mit dem Titel: 

Zwischen Hoffnung und Skepsis - Wie Bürgerinnen und Bürger für Änderungen im Mobilitätsverhalten gewonnen werden können.“ 

Ich soll eine der dabei geplanten Arbeitsgruppen namens „World Café“ moderieren. Mich stört bei dem Titel, dass er so tut, als läge das Verkehrsverhalten am Bewusstsein der Bürger und nicht an den oftmals bescheidenen Bedingungen.

Da habe ich mir gedacht, das ist es doch eine gute Gelegenheit, sich das Verkehrsverhalten der Italiener mal bei einer Fahrt von Pontedera nach Pisa mit der Bahn anzuschauen.

Haben die Italiener ein anderes Verkehrsbewusstsein? Oder sind die Bedingungen anders?


Freitag, 18.10.2024, 10.35 Uhr

1. Wir kommen am Bahnhof an und betreten das Gebäude. Es gibt zwei Schalter mit der Aufschrift „Fahrkarten und Informationen“, die beide besetzt sind. Innerhalb 1 Minute haben wir unsere Fahrkarte und Rückfahrkarte nach Pisa. Das sind circa 25 km, eine Strecke, für die wir zu zweit 11,20 € bezahlen, also 2,80 € der Einzelfahrschein. 

2. Der Bahnhof ist sauber, kein Dreck, genügend Papierkörbe.

3. Im Eingangsbereich und auf dem Bahnsteig gibt es Infotafeln, die Ankunft und Abfahrt der nächsten Züge anzeigen. Groß und übersichtlich. Pro Stunde fahren 4 Züge nach Pisa.

4. Die Ankunft unseres Zuges wird mehrere Minuten vorher über einen gut verständlichen Lautsprecher angekündigt. Mit Angabe, von wo der Zug kommt, wohin er fährt und wie die einzelnen Stationen zum Ziel heißen.

5. Der Zug kommt pünktlich an und erreicht das Ziel  Pisa pünktlich.

6. Der Zug ist ebenfalls sauber und zu zwei Dritteln besetzt.


Wenn ich das mit dem Bahnhof Bornheim-Roisdorf vergleiche, dann steht es 6:0 für Pontedera.

Das Verkehrsbewußtsein ist auch nichts anderes als das bewußte Sein. Willst du es ändern, mußt du das Sein, also die Wirklichkeit ändern. 


Wir brauchen Fahrradbrücken wie jetzt die neue in Tübingen, Schienen, Brücke für die Bahn über den Rhein zwischen Bonn und Köln, Personen, die ansprechbar sind und Auskunft geben können, Anschlüsse für den Güterverkehr und so weiter. Und wenn man eine Verkehrswende wirklich will, dann müssen die Fahrkarten bezahlbar sein. Bornheim nach Bonn (10 km) kostet 4,70 Euro. Das ist ein Verhinderungspreis!

Und es geht nicht, dass Fahrradwege an der Ortsgrenze enden, im nächsten Ort einen anderen Verkehrsträger haben und zwischendurch sich niemand verantwortlich fühlt. Diese Kleinstaaterei ist sowas von überholt und lächerlich.

Der Bau der Radpendlerroute in Bornheim-Roisdorf schreitet voran, schreibt der General-Anzeiger

Der von mir initiierte Fahrradweg Bornheim-Alfter-Bonn, genannt Radpendlerroute, ist jetzt 11 Jahre nach dem Beschluß im Stadtrat halbfertig. In Bornheim wurde nach 8 Jahren festgestellt, dass der Stadt Grundstücke fehlen, die für den Radweg nötig sind. In Alfter ist ihnen das Geld ausgegangen, um eine Radbrücke, die über eine viel befahrenen Kreisstraße führt, zu bauen. Und in Bonn haben sie mit der Planung im Bereich Hauptbahnhof, wo der Radweg enden soll, noch nicht begonnen. Drei Kommunen sind nicht in der Lage innerhalb von 11 Jahren einen gemeinsamen Radweg von 10 km Länge zu bauen.

So ist die Lage und da philosophiert der ADFC über das Mobilitätsverhalten der „Bürgerinnen und Bürger“.

Ich hoffe, ich bewahre die Contenance, wenn ich die Arbeitsgruppe leite und fange nicht an, die anwesenden Politiker und Verwaltungsleute zu beschimpfen. Auch wenn sie es verdient hätten.