Dienstag, 5. November 2024

Nachtrag Trevi-Brunnen

Über die vielen Touristen in Rom und die zahlreichen Restaurationsarbeiten und damit verbundenen Verhüllungen der Denkmälern in der Stadt haben wir ja berichtet. Jetzt hat ein Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung dies am Beispiel des Trevi-Brunnen näher beleuchtet. Das möchten wir Euch nicht vorenthalten.



FaZ, 5.11.2024

ZUM HEILIGEN JAHR 2025
Zum Glück gibt’s ein Ersatzbassin



Der Trevi-Brunnen


Zu viele Touristen drängen sich an der für Rom so wichtigen Sehenswürdigkeit. Darum muss nun auch der Trevi-Brunnen – rechtzeitig zum Heiligen Jahr 2025 – restauriert werden. Die Glückssucher, die eine Münze werfen wollen, kommen trotzdem auf ihre Kosten.

Nun ist auch der Trevi-Brunnen an der Reihe: Wie ungezählte andere Bauwerke der Ewigen Stadt soll das vielleicht ­berühmteste künstliche Kleingewässer der Welt rechtzeitig zum Heiligen Jahr 2025 restauriert werden. Doch anders als bei den Brunnen auf der Piazza ­Navona, die während der Arbeiten hinter Absperr­gitter und Sichtschutz (mit ein paar Gucklöchern für die Touristen) verschwanden, bleibt der Blick auf den Trevi-Brunnen fast unverstellt: Am Sperrgerüst wurden Plexiglasscheiben statt Sichtschutzfolien angebracht.

Und noch etwas hat sich die berühmt-berüchtigte Sovrintendenza Capitolina, die oberste Denkmalbehörde der italienischen Hauptstadt, die mit Argusaugen über die un­zähligen Kunstschätze und Denkmäler Roms wacht, für die Touristen einfallen lassen. Der Legende nach wird man die Ewige Stadt ein weiteres Mal besuchen und ganz allgemein sein Glück finden, wenn man ins Wasser des Trevi-Brunnens eine Münze wirft, und zwar rücklings über die Schulter.

Nur musste der Brunnen, der sonst täglich von dem aus altrömischen Zeiten stammenden Aquädukt Acqua Vergine mit 80 Millionen Litern Wasser versorgt wird, für die Restaurierungsarbeiten leer gepumpt werden. Also ließ man ein ­kleines Bassin vor den Brunnen (und ­hinter das Absperrgitter) stellen und mit Wasser füllen. Dorthin werfen nun die Besucher ihre Münzen. Wenn sie das ­kleine Behelfsbecken treffen.

Die Römer Caritas ist glücklich

Die Reaktionen der Touristen an Ort und Stelle sowie in den sozialen Medien sind gemischt. Einige sind froh, dass man den Münzwurf ins Wasser überhaupt noch absolvieren kann, obschon der Brunnen leer ist. Die meisten finden die Sache mit der „Badewanne“ oder dem „aufblasbaren Planschbecken“ hinter dem Plexiglas­verhau und vor dem monumentalen ­Barockbrunnen nicht wirklich geglückt.

Glücklich über die Lösung mit dem ­Bassin ist jedenfalls die Römer Caritas. Die lässt die Münzen ­regelmäßig aus dem Brunnen einsammeln und ver­wendet das Geld zur Unterstützung notleidender ­Familien. Im vergangenen Jahr kamen auf diese Weise 1,98 Millionen Euro zu­sammen. Ob in dem kleinen Bassin in den letzten beiden Monaten des Jahres ­weniger Geld zusammenkommt als ehedem im großen Brunnen, wird erst die Münzbilanz von 2024 in ein paar Monaten erweisen. Immerhin ­lassen sich die Münzen aus dem Behelfsbecken leichter einsammeln.

Die Arbeiten an dem weltberühmten Brunnen sind nach Angaben der Sovrintendenza Capitolina nötig, weil sich das Denkmal in einem „Gebiet mit hohem Fußgängerverkehr“ befinde und deshalb „besonderen mikroklimatischen Be­dingungen ausgesetzt“ sei. Dadurch ­komme es zur „ständigen Bildung von biologischer Patina, von Unkrautvege­tation und Kalkablagerungen“.

Zahl der Besucher soll reguliert, also reduziert werden

Die ­Kosten für die Restaurierung des barocken Meisterwerks, die pünktlich vor Beginn des Heiligen Jahres 2025 ab­geschlossen sein soll, werden auf 1,2 Millionen Euro geschätzt. Das Geld kommt aus dem postpandemischen ­Wiederaufbaufonds der Europäischen Union. Nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten will das Fremdenverkehrsamt des Rathauses von Rom einen Steg errichten lassen, der teilweise über das Wasser des Brunnens führt. Von dem Steg aus sollen die Besucher einen besseren Blick auf die vom in Rom ­geborenen Architekten ­Nicola Salvi (1697–1751) im Auftrag von Papst Clemens XII. errichtete Barockfassade des Brunnens und zumal auf die vielen Skulpturen der ­Wasserwesen um den Meeresgott ­Oceanus werfen können.

Vor allem aber soll die Zahl der ­Besucher des Brunnens reguliert, also reduziert werden, indem der Zugang zu dem Steg von Stewards und Hostessen kontrolliert wird. Mehr als vier Millionen Touristen kommen pro Jahr zum Trevi-Brunnen, an manchen Tagen drängeln sich bis zu 12.000 für Selfies und Münzwurf vor dem Kunstwerk. Nach einer Testphase mit dem Steg könnte ein Eintrittsgeld in Höhe von einem oder zwei Euro erhoben werden, heißt es im Rathaus. Für das Heilige Jahr ­werden in Rom bis zu 32 Millionen ­Besucher erwartet.